KI und Menschenwürde

„In der Zeit der Künstlichen Intelligenz, in der die Menschenwürde aufgrund neuer Formen von Entmenschlichung in den Hintergrund zu treten droht, haben wir die dringende Pflicht, zutiefst menschlich zu bleiben.“

Magnifica Humanitas, Nr. 15

Papst Leo XIV. widmet in Magnifica Humanitas der Künstlichen Intelligenz ein ganzes Kapitel. Und er warnt vor den Narrativen, die hinter der Technologie stehen: Transhumanismus und Posthumanismus – die Vorstellung, der Mensch sei nur eine Durchgangsstufe zur nächsten Existenzform.

Die Enzyklika erinnert an einen blinden Fleck der KI-Debatte: Der Mensch ist nicht nur Gehirn. Er ist auch Herz, Begrenztheit, Beziehung. Seine Größe liegt nicht darin, die perfekte Maschine zu sein, sondern darin, Ebenbild zu sein.

Wo ich die Grenze ziehe

Keine KI-Seelsorge. Ein Chatbot kann Informationen liefern. Trösten, bezeugen, absolvieren kann er nicht. Die Enzyklika spricht vom Herzen des Menschen – etwas, das sich nicht simulieren lässt.

Keine KI-Entscheidungen über Menschen. Automatisierte Bewerbungsfilter, Kreditentscheidungen oder Urteilsfindung ohne menschliche Aufsicht halte ich für gefährlich. Der Mensch hat Würde – nicht weil er nützlich ist, sondern weil er ist. Eine Maschine kann das nicht beurteilen.

Keine Täuschung. Wer mit einem KI-System interagiert, soll das wissen. Keine Avatare, die ein Gegenüber vortäuschen. Die Enzyklika warnt vor einer Kultur der Macht, die den Menschen zum Objekt macht. Transparenz ist der erste Schritt dagegen.

Was mir Sorgen macht

„KI-Systeme, die sich neutral und objektiv geben, spiegeln und verstärken Stereotypen oder ideologische Standpunkte ihrer Entwickler und Programmierer.“

Magnifica Humanitas, Nr. 102

Kein Werkzeug ist neutral. Es trägt die Haltung seiner Entwickler in sich. Wer KI einsetzt, ohne zu verstehen, welche Annahmen und Interessen in den Modellen stecken, wird zum Ausführenden fremder Agenden. Die Tech-Konzerne, die diese Systeme bauen, gewinnen so noch mehr Herrschaft über unsere Arbeit und unsere Daten.

Hinzu kommt: Die Tech-Welt neigt dazu, Menschen als Konsumenten zu sehen. Werbung, Kaufanreize, Optimierung für Umsatz. Aus Herrn Maier mit einem echten Problem wird ein Unique User, aus Frau Schmitz mit einer echten Frage wird eine Page Impression. Der Kapitalismus hat diese Tendenz immer gehabt. Aber die Technik, die Anonymität und die Geschwindigkeit des Internets verschärfen sie massiv. KI potenziert das noch.

Die Entwicklung ist rasant. Die neuesten KI-Entwicklungen haben erst gerade begonnen, und ein Ende ist nicht abzusehen. KI wird sich selbst weiterentwickeln, alles wird noch schneller. Am Ball zu bleiben, wird zur Daueraufgabe.

Eine konkrete Herausforderung: Software wartbar zu halten. Dass eine Anwendung ihr Verhalten nicht grundlegend ändert, nur weil ein neues Modell erscheint oder ein bestehendes abgeschaltet wird – dafür gibt es noch keine erprobten Muster. Das müssen wir in der Praxis erst lernen.

Besonders tricky: Unsere Zeit ist voller Ideologien. Wenn eine stärker in den Fokus rückt oder eine neue aufkommt, schlägt sich das in den Modellen nieder. Auf einmal sind die Antworten ganz anders. KI hat keinen Verstand und kein Fundament. Sie spiegelt, was ihr vorgesetzt wird.

Warum ich trotzdem KI-Entwickler bin

„Ein wertvolles Hilfsmittel, das Vorsicht erfordert.“

Magnifica Humanitas, Nr. 3 (über Künstliche Intelligenz)

Weil KI ein Werkzeug ist. Und weil es darauf ankommt, wer es wofür einsetzt. Deshalb braucht es Ethik und einen professionellen Umgang mit den Werkzeugen.

Ich setze KI ein, um Menschen zu entlasten – wiederkehrende Aufgaben und Datenextraktion. Um Zugang zu schaffen – Baqash macht Glaubensfragen beantwortbar, als niedrigschwellige erste Anlaufstelle, nicht als Ersatz für Seelsorge. Und um Qualität zu steigern – KI-unterstützte Redaktion, Code-Reviews, Werkzeuge, die menschliche Arbeit besser machen.

Die entscheidende Frage bei jedem Projekt: Setze ich KI ein, um den Menschen zu ermächtigen oder um ihn zu ersetzen?

Trotzdem treiben mich das Ziel – Menschen zu dienen – und die Leidenschaft für die Technik an. KI kann helfen, dieses Ziel schneller zu erreichen. Also setze ich mich gerne und gründlich damit auseinander.

Ein Werkzeug unter vielen

Aktuell arbeite ich mit Hermes Agent. Das kann sich ändern. Ich schaue mir die Tools an und nehme das, was mir am meisten dient.

Die Entwicklung ist spürbar. Ich kann heute wesentlich mehr machen – die vielen Projekte auf faithos.de sind ein Beispiel dafür. Aber die Verantwortung bleibt bei mir. Wer die Entscheidungen trifft, trägt die Konsequenzen. Das lässt sich nicht delegieren. Auch das gehört zur Menschenwürde.

Was bleibt

Am Ende jedes KI-Projekts stehe ich vor derselben Frage: Dient dieses System dem Menschen – oder benutzt es ihn?

Die Antwort ist selten eindeutig. Aber die Frage zu stellen, ist der erste Schritt.

Es kann passieren, dass man zu spät merkt, wohin man sich manövriert hat. Als Mensch, als Unternehmen, als Gesellschaft. Die Enzyklika spricht von der Umkehr – als Haltung, die es ermöglicht, auch nach Rückschlägen neu anzufangen. Die Einsicht, dass der Weg falsch war – und die Freiheit, einen neuen zu gehen. Vielleicht ist das das Menschlichste von allem.


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